Aktualisiert im August 2026. Die erste Fassung dieses Artikels stammt von Anfang 2023.

Ich hab diesen Artikel Anfang 2023 geschrieben, ein paar Wochen nachdem ChatGPT rauskam. Wenn ich ihn heute lese, muss ich ein bisschen schmunzeln. Da stand viel von „revolutionieren“ und „Potenzial“ und ziemlich wenig davon, was das Ding im Alltag eigentlich macht. Kein Wunder, ich hatte es ja selbst kaum benutzt.

ChatGPT in Aktion

Drei Jahre später sieht mein Arbeitstag als WordPress Entwickler komplett anders aus. Nicht weil KI alles kann, sondern weil ich inzwischen weiß wofür sie taugt und wofür nicht. Genau das will ich hier aufschreiben. Ehrlich, ohne Werbung für irgendein Tool und ohne die Angst, dass mir jemand den Job wegnimmt.

Was sich seit 2023 wirklich geändert hat

2023 war KI ein Chatfenster. Man hat eine Frage reinkopiert, eine Antwort rausbekommen und die dann von Hand in den Code übertragen. Das war nett für kleine Snippets, für echte Projekte aber eher umständlich.

Heute sitzt die KI direkt im Terminal oder im Editor und kennt das ganze Projekt. Tools wie Claude Code oder Cursor lesen das komplette Theme, verstehen wie die Ordner zusammenhängen, führen Befehle aus, schreiben Dateien und laufen den Build durch. Ich beschreibe was ich brauche, die KI setzt um, ich prüfe. Das ist ein anderer Arbeitsmodus als Copy und Paste aus einem Chat.

Und ja, die Modelle sind schlicht besser geworden. 2023 hat ChatGPT WordPress Hooks erfunden die es nie gab. Das passiert heute deutlich seltener. Es passiert aber noch, dazu gleich mehr.

Wofür ich KI bei WordPress Projekten tatsächlich nutze

Boilerplate und Wiederholungen

Custom Post Types registrieren, Taxonomien anlegen, ACF Feldgruppen als JSON aufsetzen, Template Parts mit sauberem Escaping durchziehen. Das ist Arbeit die ich hundertmal gemacht habe und die trotzdem jedes Mal Tippfehler produziert. Die KI macht das in Sekunden und ich lese nur noch gegen.

Debugging

Ein Fehlerlog reinwerfen und fragen was los ist, spart mir regelmäßig eine halbe Stunde Suchen. Besonders bei Plugin Konflikten oder wenn irgendein Filter an einer Stelle greift, an der man ihn nicht erwartet. Die KI liest den Stack Trace schneller als ich.

Refactoring von altem Code

Jeder Entwickler hat Themes von früher, in denen die functions.php 2.000 Zeilen lang ist. Die KI kann so was in Module aufteilen, Prefixe ergänzen, Escaping nachziehen und dabei erklären was sie warum geändert hat. Das mache ich trotzdem nur mit Git im Rücken und in kleinen Schritten.

Regex, WP-CLI, SQL

Die Dinge die man alle paar Wochen braucht und jedes Mal wieder nachschlagen muss. Ein Suchen und Ersetzen über die ganze Datenbank mit serialisierten Daten, ein WP-CLI Befehl für den Bild Import, eine Regex für die URL Migration. Hier ist KI schlicht ein besseres Nachschlagewerk.

Barrierefreiheit und Alt-Texte

Ein Template durchgehen lassen auf fehlende Labels, falsche Überschriftenhierarchie, fehlende Fokus-Styles. Und Alt-Texte für 80 Bilder schreiben, was vorher niemand gern gemacht hat und deshalb oft gar nicht passiert ist.

Texte, aber mit Vorsicht

Meta Descriptions, erste Entwürfe für Leistungsseiten, Übersetzungen. Das funktioniert, wenn man der KI genau sagt wie man klingt und den Text danach trotzdem selbst anfasst. Ohne das klingt jeder Text gleich, und zwar gleich langweilig.

Wo KI bei WordPress regelmäßig danebenliegt

Das hier ist der Teil, der in meinem alten Artikel komplett gefehlt hat.

  • Veraltete APIs. WordPress ändert sich, die Trainingsdaten hinken hinterher. Die KI schlägt gern Funktionen vor die seit zwei Versionen deprecated sind, oder ignoriert die Block API weil sie mehr Classic Theme Code gesehen hat.
  • Sicherheit wird gern vergessen. Escaping, Nonces, Capability Checks. Der Code läuft, sieht sauber aus und hat trotzdem eine Lücke. Das muss man wissen und aktiv einfordern.
  • Zu viel Code. Ich frage nach einer Funktion und bekomme eine Klasse mit Interface und drei Abstraktionsebenen. Für ein Theme mit fünf Templates ist das Unsinn. Kürzer ist fast immer besser und das muss man der KI sagen.
  • Plugin Empfehlungen. Für jedes Problem gibt es angeblich ein Plugin. Meistens sind das zehn Zeilen im Theme. Die KI kennt den Unterschied zwischen „geht“ und „ist eine gute Idee“ nicht von selbst.
  • Performance. Assets werden global geladen, Queries laufen in Schleifen, Bilder kommen ohne Größenangabe. Der Code funktioniert, die Seite ist langsam. Core Web Vitals interessieren die KI nur wenn man sie darauf stößt.

Kurz: Die KI ist ein sehr schneller Junior mit enormem Wissen und ohne Erfahrung. Man muss wissen was man will und erkennen wenn das Ergebnis nur so aussieht als wäre es richtig.

Was das für dich als Kunde bedeutet

Das ist eigentlich die interessante Frage. Meine ehrliche Antwort:

Projekte gehen schneller, vor allem die Teile die früher Fleißarbeit waren. Das heißt aber nicht automatisch billiger. Die Zeit die ich beim Tippen spare, geht in Konzept, Design und Qualität. Also in die Dinge die eine Website am Ende besser machen als die vom Wettbewerber.

Eine komplett von KI gebaute Website ist keine gute Idee. Ich sehe inzwischen regelmäßig Seiten, bei denen jemand einen Generator angeworfen hat. Die sehen alle gleich aus, sind technisch oft eine Katastrophe und niemand weiß später wie man sie pflegt. Wenn dein Budget so klein ist, dann lieber ein sauberes Baukasten System als eine KI Website ohne Verantwortlichen.

Deine Daten gehören nicht in fremde Chatfenster. Kundendaten, Zugangsdaten, Verträge. Ich arbeite mit KI Tools, aber ich achte darauf was da reingeht und was nicht. Das solltest du von jedem Dienstleister verlangen.

Das Backend bleibt für Menschen. Egal wie viel KI beim Bauen geholfen hat, am Ende musst du deine Seite selbst pflegen können. Da hat sich für mich nichts geändert.

Und der alte Artikel?

Bleibt in der Versionsgeschichte. Ich finde es ganz gesund, sich alle paar Jahre anzuschauen was man mal geglaubt hat. Die Aussage von damals, dass KI die Arbeit von Webentwicklern verändern wird, war richtig. Nur eben ganz anders als gedacht. Nicht durch Automatisierung von „Beitragsplanung und Moderation“, sondern dadurch dass der langweilige Teil der Arbeit kleiner wird und der Teil, für den man Erfahrung braucht, wichtiger.

Falls du eine WordPress Website planst und wissen willst, wie so ein Projekt heute abläuft, mit KI im Werkzeugkasten aber einem Menschen der dafür geradesteht: schreib mir einfach.